Rezensionen von A-Z

Dienstag, 14. März 2017

Rezension zu „Die Blätter des Herbstbringers von Fabienne Siegmund

Klappentext

Es war Herbst, als es geschah. Jene bittersüße Jahreszeit, in der der Sommer seinen Abschied nimmt, um im Winter sein Ende zu finden.

Blätter in Herbstfarben sind es, die das Leben von Ari Mikalainen bestimmen. Sie gleiten in seinen Gedanken zu Boden, hüllen Tage und Nächte in ein düsteres Kleid. Aris eigener Sommer vergeht schon in Kindertagen, als seine beste Freundin Mira und er Zeugen eines grausamen Verbrechens werden.

Am Ende dieses Sommers steht ein geheimnisvoller Mann, der die Nächte durchstreift, auf der Suche nach Geschehnissen, die sonst von Dunkelheit verborgen bleiben. „Herbstbringer“ nennen die Zeitungen das Phantom, das der Polizei Verbrecher auf dem Silbertablett liefert und kleine Blätter an den Tatorten zurücklässt.

Sind es nur zwei Geschichten eines einzigen Herbstes oder gibt es eine Verbindung zwischen Ari und dem geheimnisvollen Fremden?

Schreibstil

Gleich hier komme ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. So eine bildhafte und wundervolle Sprache! Fast jeder Satz verzückt, lässt einen die Herbstluft riechen, die immer wieder hereinstechende Kälte des Winters spüren. Siegmund hat definitiv ein Händchen für einen durchaus gelungenen Schreibstil!


Charaktere

Jeder Charakter hatte seine Geschichte, manche miteinander verbunden und andere werden im Laufe der Zeit hineingewoben.

So begleitete ich als Leserin Ari, der in jungen Jahren bereits seine Eltern verlor. An seiner Seite Mira, deren Eltern ebenfalls zur gleichen Zeit und an gleicher Stelle starben. Er beschützt sie, liebt sie, bewacht sie. Und doch scheint seine Liebe unerwidert, fern, haltlos. Gleichzeitig ist da der Herbstbringer, der Ari nicht ähnlicher sein könnte. Gerecht findet Ari, was der Herbstbringer den anderen antut, während er selbst durch die Straßen streift und seine Trauer niemals ganz loslassen kann.

Mira lebt ihr Leben irgendwie weiter, auch wenn sie nie ganz von dem schrecklichen Ereignis aus ihrer Kindheit losgelassen wird. Gerade Ari erinnert sie an diesen verhängnisvollen Nachmittag, der nach wie vor schmerzt. Doch dank ihrer Großmutter geht sie weiter ihren Weg, hat Freunde, lacht öfter und verbringt hin und wieder Zeit mit ihrem Freund aus der Kindheit. Sie liebt ihn auch, doch reicht ihre Liebe, um aus der Freundschaft zu Ari eine Beziehung zu machen?

Samu ist ein alter Ermittler, der Aris und Miras Fall damals nur am Rande mitbekam und als Polizist nicht wirklich etwas machen konnte, als man den Fall zu den Akten legte. Nun ist er auf den Herbstbringer angesetzt, der seine Opfer – die selbst die Täter sind – lethargisch zurücklässt, bereit, von der Polizei abtransportiert zu werden. Doch dann tötet der Herbstbringer zu ersten Mal und Samu muss genauer ermitteln. Dass seine Enkelin ein Opfer war, das der Herbringer rettete, wirft ihn in einen großen Zwiespalt.

Alles in allem schlüssige Charaktere, die lebendig werden, und die man so oder so lieb gewinnt.

Umgebung

Diese ist wundervoll umschrieben, auch wenn man nicht wirklich etwas mitbekommt. Dennoch ist man durch Siegmunds bildhaften Schreibstil so in der Umgebung drin, dass man auch nicht sagen kann, es gäbe keine. Aris und Miras Zimmer sind gut beschrieben, genauso wie Aris Wohnung oder eine Szene auf dem Friedhof. Ansonsten verschwimmt die Umgebung im Hintergrund, was mir sehr gut gefallen hat. Es geht nicht darum, was hier oder dort steht, sondern was gerade stattfindet. Sehr gelungener Fokus!

Plot

Feine Stränge, die den Leser durch die Geschichte tragen. Ich musste längere Pausen während des Lesens machen, weil die Zeit schlichtweg nicht da war. Aber es lag auch daran, dass ich erstmal sacken lassen musste, was Siegmund mir da vorgesetzt hat. Ich habe das komplette Buch genossen, denn selbst nach ein oder zwei Wochen Pause schaltete ich meinen E-Reader wieder an und war einfach drin in der Geschichte, fortgetragen, von wo auch immer ich zum Lesen saß. Das macht einen starken Plot aus. Man vergisst ihn nicht!

Ende

Genau die richtige Dosis an Emotionen, Dramatik, Höhepunkt, Ausklang. Es ist ein Ende, das mich bis jetzt mitnimmt, das mich nicht loslässt. Ich fühle mich, als hätte der Herbstbringer bei mir selbst ein Blatt gelassen und ich habe keine Ahnung, was ich damit anfangen soll. Es war richtig und doch so falsch. Einfach perfekt!

Fazit

Dieser Roman bekommt von mir ganz klare 5 Sterne und eine gaaanz dolle Leseempfehlung. Kauft es, leiht es, lest es, verschlingt es oder lasst es euch wie ich wie zartschmelzende Schokolade auf der Zunge zergehen. Alles ist hier möglich.

Extra

Ich habe „Die Blätter des Herbstbringers“ im Laufe einer Lovelybooks-Leserunde gewonnen. Danke an den Verlag ohneohren für das bereitgestellte epub.

Anmerkungen

Ich werde mir das Print holen. Ich werde dieses Buch öfter als dieses eine Mal lesen, es sollte zur Lektüre in Schulen werden, denn DAS war für mich das Nonplusultra! Sowas hätte als Teenie bereits meine Freude am Lesen total geweckt. Fabienne Siegmund hat einen neuen Fan :).