Rezensionen von A-Z

Dienstag, 14. März 2017

Rezension zu „Die Blätter des Herbstbringers von Fabienne Siegmund

Klappentext

Es war Herbst, als es geschah. Jene bittersüße Jahreszeit, in der der Sommer seinen Abschied nimmt, um im Winter sein Ende zu finden.

Blätter in Herbstfarben sind es, die das Leben von Ari Mikalainen bestimmen. Sie gleiten in seinen Gedanken zu Boden, hüllen Tage und Nächte in ein düsteres Kleid. Aris eigener Sommer vergeht schon in Kindertagen, als seine beste Freundin Mira und er Zeugen eines grausamen Verbrechens werden.

Am Ende dieses Sommers steht ein geheimnisvoller Mann, der die Nächte durchstreift, auf der Suche nach Geschehnissen, die sonst von Dunkelheit verborgen bleiben. „Herbstbringer“ nennen die Zeitungen das Phantom, das der Polizei Verbrecher auf dem Silbertablett liefert und kleine Blätter an den Tatorten zurücklässt.

Sind es nur zwei Geschichten eines einzigen Herbstes oder gibt es eine Verbindung zwischen Ari und dem geheimnisvollen Fremden?

Schreibstil

Gleich hier komme ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. So eine bildhafte und wundervolle Sprache! Fast jeder Satz verzückt, lässt einen die Herbstluft riechen, die immer wieder hereinstechende Kälte des Winters spüren. Siegmund hat definitiv ein Händchen für einen durchaus gelungenen Schreibstil!


Charaktere

Jeder Charakter hatte seine Geschichte, manche miteinander verbunden und andere werden im Laufe der Zeit hineingewoben.

So begleitete ich als Leserin Ari, der in jungen Jahren bereits seine Eltern verlor. An seiner Seite Mira, deren Eltern ebenfalls zur gleichen Zeit und an gleicher Stelle starben. Er beschützt sie, liebt sie, bewacht sie. Und doch scheint seine Liebe unerwidert, fern, haltlos. Gleichzeitig ist da der Herbstbringer, der Ari nicht ähnlicher sein könnte. Gerecht findet Ari, was der Herbstbringer den anderen antut, während er selbst durch die Straßen streift und seine Trauer niemals ganz loslassen kann.

Mira lebt ihr Leben irgendwie weiter, auch wenn sie nie ganz von dem schrecklichen Ereignis aus ihrer Kindheit losgelassen wird. Gerade Ari erinnert sie an diesen verhängnisvollen Nachmittag, der nach wie vor schmerzt. Doch dank ihrer Großmutter geht sie weiter ihren Weg, hat Freunde, lacht öfter und verbringt hin und wieder Zeit mit ihrem Freund aus der Kindheit. Sie liebt ihn auch, doch reicht ihre Liebe, um aus der Freundschaft zu Ari eine Beziehung zu machen?

Samu ist ein alter Ermittler, der Aris und Miras Fall damals nur am Rande mitbekam und als Polizist nicht wirklich etwas machen konnte, als man den Fall zu den Akten legte. Nun ist er auf den Herbstbringer angesetzt, der seine Opfer – die selbst die Täter sind – lethargisch zurücklässt, bereit, von der Polizei abtransportiert zu werden. Doch dann tötet der Herbstbringer zu ersten Mal und Samu muss genauer ermitteln. Dass seine Enkelin ein Opfer war, das der Herbringer rettete, wirft ihn in einen großen Zwiespalt.

Alles in allem schlüssige Charaktere, die lebendig werden, und die man so oder so lieb gewinnt.

Umgebung

Diese ist wundervoll umschrieben, auch wenn man nicht wirklich etwas mitbekommt. Dennoch ist man durch Siegmunds bildhaften Schreibstil so in der Umgebung drin, dass man auch nicht sagen kann, es gäbe keine. Aris und Miras Zimmer sind gut beschrieben, genauso wie Aris Wohnung oder eine Szene auf dem Friedhof. Ansonsten verschwimmt die Umgebung im Hintergrund, was mir sehr gut gefallen hat. Es geht nicht darum, was hier oder dort steht, sondern was gerade stattfindet. Sehr gelungener Fokus!

Plot

Feine Stränge, die den Leser durch die Geschichte tragen. Ich musste längere Pausen während des Lesens machen, weil die Zeit schlichtweg nicht da war. Aber es lag auch daran, dass ich erstmal sacken lassen musste, was Siegmund mir da vorgesetzt hat. Ich habe das komplette Buch genossen, denn selbst nach ein oder zwei Wochen Pause schaltete ich meinen E-Reader wieder an und war einfach drin in der Geschichte, fortgetragen, von wo auch immer ich zum Lesen saß. Das macht einen starken Plot aus. Man vergisst ihn nicht!

Ende

Genau die richtige Dosis an Emotionen, Dramatik, Höhepunkt, Ausklang. Es ist ein Ende, das mich bis jetzt mitnimmt, das mich nicht loslässt. Ich fühle mich, als hätte der Herbstbringer bei mir selbst ein Blatt gelassen und ich habe keine Ahnung, was ich damit anfangen soll. Es war richtig und doch so falsch. Einfach perfekt!

Fazit

Dieser Roman bekommt von mir ganz klare 5 Sterne und eine gaaanz dolle Leseempfehlung. Kauft es, leiht es, lest es, verschlingt es oder lasst es euch wie ich wie zartschmelzende Schokolade auf der Zunge zergehen. Alles ist hier möglich.

Extra

Ich habe „Die Blätter des Herbstbringers“ im Laufe einer Lovelybooks-Leserunde gewonnen. Danke an den Verlag ohneohren für das bereitgestellte epub.

Anmerkungen

Ich werde mir das Print holen. Ich werde dieses Buch öfter als dieses eine Mal lesen, es sollte zur Lektüre in Schulen werden, denn DAS war für mich das Nonplusultra! Sowas hätte als Teenie bereits meine Freude am Lesen total geweckt. Fabienne Siegmund hat einen neuen Fan :).

Montag, 26. September 2016

Rezension zu „Wolfsbaum“ von Mia Faber

Klappentext

Die Entstehung des Ortes Beddgelert – eingemeißelt in uralten Stein.

Zu einer Zeit, da der Glaube der Druiden vergeht und die alten Götter in Vergessenheit geraten, zweifelt Morgan an seiner Bestimmung. Die Tage des jungen Bauern aus Wales sind angefüllt mit Eintönigkeit und Arbeit. Doch als Banditen seinen Hof überfallen und er Morrígan schmäht, belegt die Kriegergöttin ihn mit einem Bann. Um diesen zu brechen, muss er den Spuren eines Wolfes folgen.

Die Vorgeschichte einer irischen Sage.

Schreibstil

Fabers Schreibstil ist schnörkellos, aber nicht zu einfach. Sie beschreibt und umschreibt im richtigen Maße, sodass genügend eigene Fantasie gefordert aber auch gefördert wird.

Charaktere

Hier geht es vornehmlich um Morgan, der sich mit seiner Rolle als Bauersjunge nicht richtig abfinden mag, jedoch zu feige ist, etwas daran zu ändern. Als der Hof überfallen wird, entkommt er nur knapp mit dem Leben. Anstatt nun aber endlich zu handeln, entschließt er, sich erst einmal zu verstecken. Daraufhin hat die Göttin Morrígan einen ganz besonderen Einfall für ihn …
Es ist eine deutliche Änderung der Charakter zu sehen, dennoch für die Seiten einer Novelle nicht überstürzt und nicht erzwungen. Sehr stimmig!

Umgebung

Faber schafft es, sie wunderbar mit einfließen zu lassen und mit ihr zu interagieren. Sie dient nicht als reiner Schauplatz, sondern ist immer mal wieder Teil der Handlung. Auch Details lassen die Umgebung lebendiger wirken. Ob am Hof, im Wald oder an der Mauer zu den adligen Gemächern – man ist als Leser mittendrin statt nur dabei.

Plot

Es geht um Feigheit und Mut, Liebe und Verrat, Familie und Egoismus – diese Novelle hat viele Spektren, die alle ineinanderfließen. Und alles wird im Nachhinein gelöst, sodass ich als Leserin zufrieden zurückbleibe.

Ende

Es kam, wie ich es erwartet hatte. Dennoch war es genau passend, nicht kitschig, nicht zu heftig. Absolut treffend!

Fazit

5 Sterne gibt es von mir für diese kurzweilige Lektüre, durch die ich nur so hindurchgeflogen bin. Auch wenn Morgan für mich kein Sympathieträger durch und durch war, so arbeitete er sich zu genau dieser Stelle vor. Jetzt muss ich natürlich noch mehr von Faber lesen. Wundervoll!

Extra

Danke an den Valkyren Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar infolge der Leserunde zu "Wolfsbaum"

Montag, 12. September 2016

Rezension zu "Weg ins Nichts" von Francis Knight (Rojan Dizon I)

Schreibstil

Knight hat einen klaren und deutlichen Schreibstil, sodass ich mich als Leserin leicht in ihre Welt einfinden konnte. Die Begriffe ihrer Welt veranschaulicht sie manchmal mit Metaphern; es geht immer hervor, wie etwas funktioniert und wie es zu dieser Entwicklung kam.

Charaktere

Rojan ist ein Schmerzmagier, der mit Hilfe dieser Magie die Gabe besitzt, Menschen ausfindig zu machen und ein weiterer kleiner Nebeneffekt: Er kann sein und das Aussehen anderer kurzfristig verändern. Er ist ein Weiberheld und definitiv nicht Everbodys Darling. Anfangs fiel es mir ein wenig schwer, mit ihm warm zu werden, doch schließlich fand ich ihn sogar sympathisch. Auch die Angst, die Rojan vor dem Nichts hat – die Bewusstseinsebene, in die man als Schmerzmagier fällt, wenn man sich der Magie zu sehr hingibt -, machte ihn ein wenig menschlicher.

Jake ist eine Kämpferin, die in der Unterstadt ihr Zuhause hat. Sie hat ihren eigenen Kopf und setzt ihn auch meist durch. Berührungen kann sie nicht ausstehen, deswegen bleibt sie immer auf Distanz, auch emotional. Was sie zu dem gemacht hat, was sie ist, wird erst im Laufe der Geschichte immer klarer.

Pasha, ebenfalls ein Schmerzmagier, ist Jakes Freund und würde alles für sie tun – auch wenn das bedeutet, sich gegen sie zu stellen. Er überschreitet Grenzen und muss dafür einen hohen Preis bezahlen.

Umgebung

Mahala ist eine vielschichtige Stadt, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn sie breitet sich in die Höhe aus, nicht in die Breite. Ich konnte mir die Satdtteile, selbst die in Unterstadt, sehr gut vorstellen und war begeistert von dem Gesellschaftssystem und deren soziale Strukturen. Zwar gefallen sie mir nicht, aber die Autorin hat sich da etwas Schönes einfallen lassen. Zusätzlich agieren die Figuren mit ihrer Umgebung, was ich umso besser finde.

Plot

Hauptplot: Rojans Nichte finden. Und dann gibt es noch einige Subplots wie Jakes Herkunft, den Weg ins Nichts, wo Glimm (die Akkus, mit denen die ganze Stadt betrieben wird) wirklich herkommt, wie verbreitet die Schmerzmagie wirklich ist, etc pp. Das scheint ein wenig viel zu sein, ist aber so geschickt eingeflechtet, dass es zum Lese- und Entdeckungsvergnügen wird.

Ende

Wahnsinn! Ich habe es genossen. Es war für mich das Highlight des Buches und strahlte heller als Glimm ;).

Fazit

5 verdiente Sterne von mir. Die Idee der Schmerzmagie und deren Folgen hat mich nicht mehr losgelassen!

Rezension zu "Phoenix - Kinder der Glut" von Ann-Kathrin Karschnick (Phoenix III)

Schreibstil

Karschnicks Schreibstil steht den beiden Vorgängern auch im dritten Teil der Phoenix-Trilogie in nichts nach. Rasant, teilweise atemlos, spannend und verständlich, sodass die Welt des Teslapunks näher gebracht wird. Der Roman liest sich flüssig und bewegt.

Charaktere

Tavi entwickelt sich zu einer wild gewordenen Phoenix, was sich die vorangegangenen Bände schon angedeutet hat. Sie hört weiterhin stark auf ihr Gefühl, der Kopf steht trotz ihrer langen Lebenszeit im Hintergrund. Sie ist leidenschaftlich und intuitiv. Demnach ändert sich im Laufe dieses Romans an dem Charakter nur eines: Sie geht in sich selbst auf.

Leon geht schon viel beherrschter an alles heran, obwohl auch ihn hin und wieder starke Gefühle übermannen. Er behält jedoch den Überblick und lässt sich nicht täuschen. Dazu vertraut er auf seine Freunde und teilweise auch Gegner, um seinen Weg zu finden.

Katharina ist und bleibt mysteriös, doch erfährt man hier auch, warum sie so ist. Trotzdem sie mir hin und wieder mit ihren Andeutungen auf die Nerven geht und ich Tavi und Leon nur zu gut verstehen konnte, endlich mal klare Worte zu bekommen, gefällt sie mir als Charakter, denn auch sie wird im Laufe der Trilogie kantiger, in sich stimmig.

Umgebung

Karschnicks Talent liegt hierbei definitiv in dem „weniger ist mehr“-Bereich. Sie beschreibt, umschreibt und überlädt nicht mit ihrer eigenen Sichtweise, sodass ich mir die Umgebungen, in denen sich die unterschiedlichen Zweige der Geschichte abspielen, gut im Kopf vorstellen konnte, ohne fremdgelenkt zu werden. Auch nutzen die Charaktere ihre Umgebung, was mir persönlich immer besonders gefällt.

Plot

Der große rote Faden liegt darin, die Saiwalo aufzuhalten – logisch. Doch entpuppen sich noch ein paar weitere Fäden, die wichtig für Buch 3 sind. So sucht Leon nach Tavi und seiner wahren Bestimmung, Tavi sucht Nathan und den Weg, den sie gehen muss, um den großen roten Faden zu lösen. Zusammen ergibt das eine wunderbare Mischung, die am Ende aufgelöst wird.

Ende

Es forderte Opfer, die gebracht werden mussten, um dorthin zu kommen, wo es schließlich endete. Es war ein langer und harter Kampf, den ich zusammen mit Tavi und Leon gekämpft habe. Super!

Fazit

Da kann ich gar nicht mehr viel zu sagen, außer: 5 Sterne von mir für den tollen Abschluss der Trilogie. Ich bin froh, Tavi und Leon begleitet zu haben und spreche eine Leseempfehlung für die komplette Trilogie aus!

Rezension zu "Steamtown - Die Fabrik" von T.S. Orgel und Carsten Steenbergen

Schreibstil

Die drei Autoren weisen einen angenehmen und zu der Szenerie passenden Schreibstil auf, der trotz
diverser fiktionaler Begriffe und Erfindungen für mich als Leserin stets verständlich blieb. Er passte in die Zeit, in das Umfeld, zu den jeweiligen Charakteren. Wunderbar!

Charaktere

Eric van Valen bemüht sich, gut in seinem Job zu sein. Als er jedoch mit den grausamen Morden in Steamtown beauftragt wird, muss er sich auch körperlich beweisen – was ihm nicht immer gelingt. So schlittert er von einem ins nächste Abenteuer, gefolgt von seinen Kumpanen, die er mal schlecht, mal recht besteht. Der Charakterentwicklung folgend wird er abgebrühter im Laufe des Romans.

Siberius Grand, ein derber Pater, der schon einiges erlebt hat, begleitet den jungen Agenten van Valen. Er dient als gute Wissensquelle und leistet van Valen Hilfe, wo er nur kann. Doch auch er ist ein eher kantiger Charakter, der im Laufe des Romans jedoch nicht an seiner witzigen und treffenden Derbheit verliert.

Mister Ferrett – zu ihm möchte ich nicht zu viel schreiben, um hier nicht zu spoilern. Dennoch ein Charakter der mir gefiel und mir zugesagt hat. Ich konnte gar nicht anders, als ihn in mein Herz zu schließen.

Umgebung

Düster, miefig, mit Blut und Leichenresten bestückt, alt und zerfallen – es gibt viele dunkle Orte in Steamtown, die jedoch nicht annähernd alle besucht werden. Aber die, denen unsere Charaktere einen Besuch abstatten, haben es in sich. Ich war stets mittendrin statt nur dabei und den Autoren gelang es, ein überzeugendes Bild ihrer Umgebung niederzuschreiben, das mich in den Roman noch tiefer eintauchen ließ. Es lässt mich Steamtown fürchten und gleichzeitig lieben – und ich will mehr Geschichten aus dieser Stadt lesen.

Plot


Der Plot hielt sich konsequent, nicht viele Nebenplots tauchten auf, die dann nicht zum Hauptstrang zurückführten. Es hat mir richtig Spaß gebracht, in die Welt der drei Autoren einzutauchen und all das Widerwärtige, Faszinierende und Schöne zu erleben – und am Ende zu sehen, wie es sich ausdröselt.

Ende


Das Ende war gut, mehr sage ich dazu nicht. Mittendrin nahm es mir viel mehr den Atem und ich bin dankbar, dass es in diesem Fall nicht das Ende war wie in vielen anderen Büchern.

Fazit


Steamtown ist ein durchwachsender, starker Roman, den ich allen Science Fiction-Fans nur empfehlen kann, die auch mit Steampunk etwas anfangen können oder sich testen wollen, ob es etwas für sie ist. Hier taucht man ein, hier wird man fasziniert und abgeholt, hier will man bleiben und flüchten. Volle 5 Sterne von mir und eine klare Leseempfehlung!

Rezension zu "Tougard" von Cornelia und Dominic Franke

Schreibstil

Der Schreibstil des Autorenduos lässt sich wunderbar herunterlesen. Sehr lebendig beschreiben die Frankes eine Welt, die sich von unserer sehr unterscheidet und dennoch in den Grundelementen gleich ist.

Charaktere


Charlie Andrews „fluppt“ einfach so nach Tougard und hat sich laut Lehrer dort, damit abzufinden, ab nun hier zu lernen. Dem gefällt es gar nicht und so holt er seine beste Freundin und heimlichen Schwarm Ann dazu. Im Laufe des Romans wird Charlie allerdings immer jammriger und verzweifelter und ich konnte seine Beweggründe manchmal nicht ganz nachvollziehen. Sehr wünschte ich mir, dass er mal richtig auf den Tisch hauen würde, leider hatte ich das Gefühl, er würde immer neben eben genannten schlagen, wenn er sich mal behaupten wollte.

Annabelle, genannt Ann, ist eine hochbegabte Bastlerin, für die keine mechanische Herausforderung zu hoch scheint. In der Mechanik scheint sie ihre große Liebe gefunden zu haben, sehr zum Verdruss ihres besten Freundes Charlie. Auch Ann benimmt sich meiner Ansicht nach nicht ganz nachvollziehbar. Sie schwankt zwischen begabtem und um ihre Freunde besorgtem Mädchen und einer Zicke, die sie gerade bei Charlie heraushängen lässt.

Avid ist ein Assassine, dessen Aufgabe es ist, am Ende zu sterben. Das weiß er und dennoch macht er weiter, erfüllt seine Aufträge. Ich finde, er ist ein durch und durch konsequenter Charakter, den ich bis zum Ende gern hatte. Ob er wirklich stirbt oder sich retten kann? Das solltet ihr selbst lesen.

Nebencharaktere gab es eine Menge, die alle ihre Eigenarten hatten und man sie deswegen gut auseinanderhalten konnte. Sie haben zum großen Teil sehr dem Unterhaltungswert (egal ob negativ oder auch positiv) beigetragen.

Umgebung

Die Charaktere interagierten mit ihrer Umgebung. Mal war sie Freund, mal Feind, mal einfach nur Hindernis. Sehr gelungene Beschreibungen der Reise, die Charlie und seine Freunde unternehmen, was mit besonders gut gefallen hat. Egal, wo sie waren, ich war dabei und konnte es sehen. Wunderbar! Am meisten haben mich die Twiggles begeistert.

Plot

Der Plot verändert sich im Laufe der Geschichte. Ist Charlie zuerst nur darauf aus, in Anns Nähe zu sein, wird daraus später eine Rettungsmission mit vielen Nebenplots aufgrund der Hindernisse, die sich den Helden in den Weg stellen. So entwickeln auch die Nebencharaktere einen Teil der Nebenstränge, die dann nachher offenbart werden.

Ende

Tragisch, nicht tragisch, verwirrend – es gab ein Ende, das ich hier natürlich nicht spoilere, denn damit verderbe ich ja die Leselust. Dennoch eines, das sich gewaschen hat, denn es mussten viele Stränge gelöst oder geknotet werden für den nächsten Teil.

Fazit

Eine insgesamt tolle Geschichte, die mir gefallen hat. Ich finde, dass sie gut lesbar ist und stellenweise sehr gruselig, dennoch authentisch. Ich glaube, jugendliche Leser dürften sich hier sehr ernst genommen fühlen, aber auch Erwachsene dürften mal eine andere Fantasygeschichte vor der Nase haben. Weil mir Charlies und Anns Verhalten allerdings teilweise auf die Nerven ging und nicht nachvollziehbar war, ziehe ich an dieser Stelle leider einen Stern ab. Dennoch gibt es von mir 4 Sterne :).

Rezension zu "Phoenix - Erbe des Feuers" von Ann-Kathrin Karschnick

Schreibstil

Karschnicks Schreibstil hält sich einfach und leicht verständlich trotz fremdartiger Begriffe, die es in
unserer Realität nicht gibt. Mir als Leser fiel es leicht, mich in ihrer Welt zurecht zu finden.

Charaktere

Tavi konnte ich nun noch besser verstehen. Ich weiß, warum sie handelt, wie sie handelt, warum sie nach so vielen Lebensabschnitten immer noch voller Emotion ist, und wie es aussehen würde, wäre sie es nicht. Dies wird anhand eines anderen Charakters wunderbar dargestellt. Sie entwickelt sich nur in kleinen Schritten weiter und behält trotz ihres Phoenix-Daseins stets ihre Menschlichkeit.

Leon hingegen hat seit dem ersten Band einen großen Sprung gemacht. Vom KAler zum Seelenlosen – so eine große Verwandlung geht auch an ihm nicht vorbei. Er bemüht sich, unter Kontrolle zu bleiben, was ihm jedoch nicht immer gelingt. Er handelt nach wie vor sehr emotional, was er als Cupido auch sollte. Dennoch kann ich gerade deswegen nicht nachvollziehen, wie er ganz zum Schluss reagiert. Das stellt für mich einen Bruch des Charakters dar und wirkt zu erzwungen.

Umgebung

Zwar wird nicht jede Umgebung von Karschnick ausführlich beschrieben, doch fand ich mich als Leserin ausreichend mit Informationen versorgt. Ich saß mit Leon zusammen in einer Zelle, hetzte mit Tavi durch die Straßen Paris‘ und durchlitt den Weg zum Seelenmagneten. Alles in Maßen und damit hat mich die Autorin wieder einmal gewonnen.

Plot

Karschnick versteht es, beim Faden zu bleiben, und etliche weitere drumherum zu spinnen. So gab es nicht nur den roten Faden, sondern diverse andere, die aber für mich als Leserin wichtig waren, weil die Figuren sonst nicht so glaubwürdig erschienen wären. Wunderbar und spannend!

Ende

Es war spannend bis zum Schluss. Ich habe mit Tavi und Leon mitgefiebert, habe mit ihnen gelitten und wurde in ein Ende gestoßen, das dem Wort Finale gerecht wurde. Nur die Handlung nach dem großen Knall kann ich nicht ganz nachvollziehen, doch das nur am Rande.

Fazit

4 gute Sterne von mir für den zweiten Teil der Phoenix-Trilogie. Ganz sicher will ich auch den finalen Band miterleben.

Rezension zu "Vor dem Fall" von Francis Knight

Klappentext

Nach der Zerstörung des Energieversorgungssystems von Mahala kämpft die Stadt mit einer Krise. Aufstände entflammen, Magier werden ermordet und die Stadt spaltet sich in zwei verfeindete Lager. Gleichzeitig wächst die Bedrohung von außen stetig. Rojan bleibt keine andere Wahl, als sich erneut in die Geschicke der Mächtigen einzumischen, denn als Schmerzmagier und Bruder des neuen Erzdiakons kann nur er die Stadt vor der endgültigen Zerstörung bewahren. In einem Wettlauf gegen die Zeit begibt er sich auf die Spur des Mörders und muss sich erneut seiner schlimmsten Angst stellen: für das Schicksal anderer verantwortlich zu sein.

Schreibstil

Auch in Band 2 behält sich Knight ihren klaren und deutlichen Schreibstil. Zwar kommen diesmal nicht wieder so viele großartige und neue Erfindungen hinzu, dennoch bleibt es verständlich. Es fiel mir diesmal sogar leichter, in Mahalas Tiefen abzutauchen.

Charaktere

Rojan entkommt seinem Verhaltensmuster, immer neue Frauen zu umgarnen, was ihn ein wenig sympathischer macht. Zusätzlich wächst die Beziehung zu seinem Bruder, der nun Erzdiakon ist und die Geschicke der Stadt leiten soll. Rojan muss sich erneut für das Wohl aller einsetzen und gleichzeitig gegen das Nichts ankämpfen, was ihn in meinen Augen zu einem starken Charakter macht.

Jake ging mir in diesem Band ein wenig gegen den Strich. Zwar ist und bleibt sie ein konsequenter Charakter, aber ich mag sie nicht mehr. Sie ist eine Kämpferin mit ihren eigenen Ansichten und Methoden, doch hatte ich das Gefühl, sie stagniert in diesem Roman.

Pasha hingegen wächst mir immer mehr ans Herz mit seiner Aufopferungsbereitschaft und seinem Charakterzug, die meisten Dinge offen anzusprechen. Auch er entwickelt sich stetig weiter.

Umgebung

Auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Es werden mehrere Schichten Mahalas gezeigt und die Figuren interagieren mit ihrer Umwelt. Das fand ich wieder toll! Doch das System verabscheue ich immer mehr, was, so nehme ich an, beabsichtigt war ;).

Plot

Die Krise um die Energieversorgung verschlimmert sich, sodass Rojan und andere Schmerzmagier gezwungen sind, sich selbst anzuzapfen. Doch dann werden immer mehr Morde verübt und ich als Leserin sah mich mit Rojan zusammen hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Plots, die sich dann wunderbar vereinen. Daumen hoch!

Ende

Leider konnte mich das Finale nicht ganz überzeugen. Im Vergleich zum vorangegangenen Band fiel dieses eher schwach aus. Dennoch bin ich total gespannt, wie es in Mahala und mit Rojan weitergeht!

Fazit

4 tolle Sterne für eine spannende Geschichte in einer vielschichtigen Stadt mit sich entwickelnden Charakteren und wunderbaren Freundschaften, die in diesem Band geknüpft werden.

Rezension zu "Eiskalter Atem" von Alyxandra Harvey

Schreibstil

Harvey schreibt eindringlich und gut verständlich, was dazu führt, dass ich mir als Leserin auch die
mir unbekannten Sachen gut vorstellen konnte. Auch mangelte es für mich nie an Spannung.

Charaktere

Emma ist hin- und hergerissen zwischen der Vernunft und dem, was sie fühlt. Immer wieder weiß sie, was sie tun sollte und folgt dann doch ihrem Herzen. Dies kommt im Laufe des Romans allerdings nicht kitschig herüber, sondern ausgesprochen beherzt.

Penelope und Gretchen sind Emmas Cousinen, die sich zusammen mit ihr durch die Bälle und Veranstaltungen quälen. Sowohl Zurückhaltung als auch Mut und Initiative weisen die beiden als gute Begleiterinnen der Protagonistin aus.

Cormac ist kein Magier, wie er es gern wäre, dennoch wirkt er als Bewahrer gegen dunkle Magie und beschützt Emma und ihre Cousinen. Zwar empfand ich ihn auch im Laufe des Romans nicht als sympathisch, dennoch hat er seinen eigenen Charakter, mit dem andere sicherlich warm werden können.

Umgebung

Harvey lässt die einzelnen Schauplätze lebendig werden. Nicht nur in Emmas Gegenwart wird die Umgebung mit eingebunden, auch die Vergangenheitsreisen, die sie zwangsweise unternimmt, weisen einen schönen Anteil an Landschaften und deren Einbindung auf. Tolle Settings baut die Autorin mit ein, ausgesprochen gelungen.

Plot

Hauptsächlich dreht es sich um das Geheimnis von Emmas Herkunft und die Aufklärung des Todesfalls, der gleich zu Beginn des Romans vorfällt. Viele kleine Nebenstränge vereinen sich dann mit den beiden großen zur Auflösung. Spannungshighlights wachsen immer wieder deutlich hervor.

Ende

Ein wenig überraschend. Es ging anders aus, als ich es erwartet habe, dennoch stellt es mich zufrieden. Nun bin ich gespannt auf Teil 2.

Fazit

Selbst wenn im letzten Drittel vermehrt Tippfehler ihren Weg in den Roman gefunden haben, so tut es in diesem Fall dem Spaßfaktor und den Spannungsbögen keinen Abbruch (dennoch musste ich das hier erwähnen). Ein empfehlenswerter und auch lesenswerter Roman! Volle 5 Sterne dafür von mir :).

Rezension zu "Sunnie und Polli im Land der Monate" von Joachim Sohn

Schreibstil

Sohn schreibt detailiert, geistreich und witzig – eine Mischung aus allem mit einem Hauch Fantasie gewürzt. Es fällt leicht, seinen Worten zu folgen und dennoch ist man an manchen Stellen amüsiert durcheinander. Einfach ist er also nicht.

Charaktere

Sunnie und Polli, zwei Katerdetektive, die immer wieder während ihrer hochbrisanten Recherchen in Raufereien verfallen, so durcheinander sind, dass sie nicht mehr wissen, was sie eigentlich recherchieren und im Laufe des Romans nur eines dazulernen: Sie lösen jeden Fall – natürlich. Die beiden sind so von sich selbst überzeugt, wie eine derartige Arroganz nur von Katzen an den Tag gelegt werden kann. Herrlich zu lesen. Gerade mir als Katzenbesitzerin erschien es wie ein genau getroffenes Ziel.

Keli, eine eisverkaufende Hundedame, ist nicht ganz so durcheinander, aber einzigartig genug, um in diesen Roman zu passen. Mutig und beherzt schreitet – oder fährt – sie voran, immer auf der Suche nach Abnehmern für ihr Pferdeapeleis. Ein Eis, auf das selbst ich verzichten würde ;).

Mai, die sich auf die Suche nach Juni begibt, lässt sich von den Meisterdetektiven einspinnen, obwohl sie deren Handlungsweise nicht recht versteht. Dennoch vertraut sie mal mehr und mal weniger auf die beiden Kater und tut alles, um ihren Juni wiederzufinden.

Umgebung

Obwohl die Umgebungen größtenteils durch und durch fantastischer Natur sind, so konnte ich mich dennoch gut darin einfinden. Die Beschreibungen wirken nicht erzwungen, sondern als wandle der Autor tatsächlich durch diese Räumlichkeiten und Landschaften. Zusätzlich nutzen die Charaktere ihre Umgebung, was mir besonders gut gefiel.

Plot

Schlüssig bis zum Schluss ;). Er ist ausgereift und es gibt genügend rote Fäden (einige dicker, manche dünner), an denen man sich als Leser entlanghangeln kann. Nur an einer Stelle kam es zu einer kleinen Langatmigkeit, dennoch fand ich sie eher amüsant als störend, demnach habe ich nichts zu beanstanden.

Ende

Leider hat dieses Buch eines. Ich will mehr, sofort! Es ist ein wunderbares Beispiel, wie Fairytale Fantasy funktionieren kann!

Fazit

5 Sterne von mir und ein Herzchen für diese wunderbare Welt und die liebevolle Charakterzeichnung noch dazu!